Vergeben und Vergessen?

„Forgive others not because they deserve forgiveness, but because you deserve peace.“ (Unbekannt)

Schwere Enttäuschungen, Verluste, Lügen und Betrug…kaum einer wird sein Leben lang von Kränkungen verschiedenster Art verschont bleiben. Meist verursacht von Personen, die in unserem Herzen einen besonderen Stellenwert eingenommen haben. Je mehr uns an einer Person liegt, desto stärker ist es ihr möglich uns innerlich zu zerbrechen. Sei es der Partner, ein guter Freund oder vielleicht sogar die eigene Mutter.

Einige von uns erleben eine solche Enttäuschung nur einmal, andere hingegen scheinen diese magisch anzuziehen. Meist nicht ohne Folgen…

Unsere Psyche ist ein tief verwurzeltes Konstrukt aus Erlebnissen und Erfahrungen, welches uns stärker beeinflusst als uns bewusst ist. Ohne Zweifel mag es für einige Persönlichkeiten äußerst schwierig sein, nach unzähligen schlechten Erfahrungen dem Leben positiv gegenüberzustehen. Ausgeprägtes Misstrauen, zurückgezogene Lebensweisen, Meidung fremder Personen sind nur beiläufige Folgen beruhend auf negativen Erfahrungen. Viele Betroffene möchten Menschen nicht mehr näher an sich heranlassen, geschweige denn sich verlieben oder Beziehungen führen. Sie verbieten sich selbst Gefühle zuzulassen, um kein weiteres Mal verletzt zu werden. Manch einer kann mit dieser Verdrängungstaktik wohl relativ gut umgehen, andere hingegen werden krank, denn sie wehren sich gegen sich selbst. Ihr Körper hat keine andere Chance und Möglichkeit, als den inneren psychischen Druck in körperliches Leid umzuwandeln.

Erst heute wurde mir durch ein Telefonat klar, dass ich unbewusst etwas Wichtiges umsetzen kann und es mir unter anderem deshalb körperlich und geistig gut geht: Ich habe die „Gabe des Verzeihens“ in mir. Menschen, die mir wehtaten, werden von mir weder gehasst noch verflucht oder sonstiges. Ich habe ihnen unbewusst verziehen und bin deshalb mit mir selbst im reinen. „Verzeihen“ soll keineswegs mit „Tolerieren“ gleichgesetzt werden. Das ist sehr wichtig! Auch ich habe Menschen verziehen, aber weiteren Umgang mit ihnen gemieden.

Oftmals wird Verzeihen ebenso mit einer Schwäche gleichgesetzt. Aber ist es nicht eigentlich eine Stärke? Die Stärke einer Person trotz tiefster innerer Verletzung zu verzeihen? Eventuell hat sie dir nicht absichtlich wehgetan. Eventuell war es ein Hilferuf oder sie brauchte Aufmerksamkeit. Meistens sind die „Täter“ auch nur „Opfer“ vergangener Lebensereignisse und sich dessen gar nicht bewusst.

Im Internet gibt es massig Theorien um das Verzeihen zu lernen. Ich persönlich habe keine bestimmte/bewusste Vorgehensweise aber ich glaube, dass es für unsere Seele und unser eigenes Wohlbefinden unglaublich wichtig ist verzeihen zu können. Auch uns selbst zu vergeben! Denn niemand ist perfekt und das ist okay.

Um offen für die Welt zu sein, offen für Neues und Positives muss man sich selbst befreien. Befreien von Leid, aber auch befreien von Schuld. Das Gute im Menschen kann nur gesehen werden, wenn die schlechten Erfahrungen uns nicht die Sicht nehmen.

Verzeihung braucht nicht nur viel Kraft, sondern auch Zeit. Es wird nicht jedem ein Leichtes sein, aber das Leben wird einem leichter fallen, ist dem anderen und einem selbst verziehen.

Ich denke je weniger nachtragend man ist, desto offener steht man Neuem gegenüber. Einen Versuch sollte es zumindest wert sein.

Also, immer optimistisch bleiben, denn das Leben ist schön und hält noch viel Wundervolles  bereit 🙂

Eure Missoptimiss

 

2 Gedanken zu “Vergeben und Vergessen?

  1. Teilweise stimme ich dir bei deinem Beitrag zu! Allerdings ist meist nicht dass „Nicht verzeihen können“ das Problem. Ich bin auch nicht nachtragend und bin trotzdem ein durch und durch misstrauischer Mensch. Das war ich nicht immer, das waren wohl die Erfahrungen und ist nun die Angst, die sich voll und ganz in meinem Kopf gefestigt hat. Ist nicht so leicht, optimistisch zu denken, obwohl man doch von Natur aus ein Optimist ist. Irgendwie ist das alles ein wenig komplizierter. Aber ich freue mich für dich, dass du mit dir im reinen bist!

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    • Vielen Dank für dein Kommi 🙂 Ich verstehe gut was du meinst. Erfahrungen prägen durchaus, was nicht immer negativ sein muss. Ein gesundes Misstrauen sollte man wahrscheinlich auch zum Selbstschutz in sich tragen, denn leider meint es nicht jeder mit einem gut. Trotzdem ist es wahrscheinlich in den meisten Fällen von Vorteil sich ein Stückchen zu lösen (vielleicht einfach mal bewusst auf sich und sein Misstrauen achten), um sich selbst nicht im Wege zu stehen.
      Als Beispiel kann ich tatsächlich jemanden nennen, der sich nach seiner letzten Beziehung „nie wieder“ verlieben möchte oder Beziehungen eingehen. Ich verstehe seinen Schmerz aber ich verstehe nicht, warum man sich selbst etwas verbieten möchte, was doch wirklich schön sein kann. Der Mensch hat meiner Meinung nach nicht umsonst die Gabe zu lieben bekommen.

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